Komponieren mit mobiler Technologie: Lara Stanic – Medienkünstlerin

 

Elektronische Komposition, Performance, Klangkunst: die Zürcher Komponistin, Performerin, Medienkünstlerin und Flötistin Lara Stanic ist schwer zu labeln. In ihren Konzertperformances verbindet sie Medien, Instrumente, Objekte und Musikerkörper und bezieht sich dabei auf die jeweils konkreten Orte und Kontexte. Im Gespräch gibt sie Einblick in die Entstehung ihrer neusten Werke für das Zürcher Barockorchester.

 

Lara Stanic in ‘waves’, Festival Rümlingen 2020 © Kathrin Schulthess

 

Gabrielle Weber
Lara Stanic treffe ich an einem verschneiten Samstag anfangs Januar zum morgendlichen Kaffee an ihrem Küchentisch. Wir sprechen über ihre jüngste Komposition Du matin au soir: Sie entstand im Sommer 2023 für das Zürcher Barockorchester und besteht aus acht Sound-Interventionen, die zwischen einzelnen Symphoniesätzen von Haydn aufgeführt wurden. Die Konzerte fanden zu verschiedenen Tageszeiten an verschiedenen Orten in Zürich statt: im botanischen Garten, in einem Freibad und in der Kirche St. Peter.

Lara Stanic verwendet für ihre Stücke in der Regel elektronische Medien und integriert oft auch kontextbezogene Objekte. Die Auswahl der konkreten Medien sei ein Prozess, meint Stanic. «Ich lasse mich inspirieren vom Kontext, den Interpreten, den Instrumenten und deren möglicher Spielweisen. Dann höre ich Klänge in meinem Kopf und sehe Spielweisen.»
In Sonnenstand, der Sound-Intervention zur Haydn-Sinfonie Der Mittag, ‘spielen’ die Musikerinnen und Musiker mit runden Handspiegeln, die mittels Smartphones Klang erzeugen. Die Idee stammt aus einer Kindheitserinnerung. «Als Kind fing ich mit Handspiegeln das Sonnenlicht der Mittagssonne ein und erzeugte damit an einer nahen Wand Schatten und Lichtspiegelungen», sagt Stanic.

 

Sonnenstand von Lara Stanic aus Du matin au soir, komponiert für das Zürcher Barockorchester, Uraufführung Zürich 2023. Botanischer Garten und Kirche St. Peter Zürich, Videos © Andreas Pfister und Philip Bartels.

 

Auch in Sonnenstand fangen die Musiker:innen mit Handspiegeln Sonnenlicht ein, wobei diesmal daraus Musik entsteht. Auf der Rückseite der Spiegel sind Handys angebracht. Darin eingebaute Bewegungssensoren, Mikrofone und Lautsprecher erfassen die Bewegungen der Spiegel und setzen sie in Klänge um. So sei, erklärt Stanic, eine hybride Form aus zwei Medien, dem Handspiegel und dem Smartphone, entstanden.

Sonnenstand spiegelt damit auch ein Grundthema, das Stanics künstlerische Arbeit prägt: In der elektronischen Musik stört sie sich oft an der Schwerfälligkeit von grossen, fürs Publikum fast bedrohlichen Lautsprechern und Mischpulten. Mit dem Einsatz von mobilen Geräten sucht sie nach Leichtigkeit und Beweglichkeit. Stanic tritt auch oft als Performerin ihrer eigenen Werke auf. Was sie entwickelt, erprobt sie zunächst an sich selbst. «Ich war und bin mein bestes Versuchskaninchen», meint sie.

Stanic studierte zunächst Querflöte, dann Musik und Medienkunst in Zürich und Bern. Die Querflöte spielt und unterrichtet sie weiterhin und sieht sie als ihr musikalisches Zuhause. «Die Ausbildung zur Interpretin und Pädagogin lieferte mir einen Boden und ein Wissen über kompositorische Denkweisen. Das Kreieren von Klängen interessiert mich gleichermassen auf akustischen Instrumenten wie in der Elektronik.» Den ersten Zugang zu Musik hat sie in ihrer Kindheit im damaligen Jugoslawien über Radio und Fernsehen erfahren. Schon da sei sie fasziniert gewesen, wieviel an Emotionen Schallwellen auslösten. Die Verbindung von Musik und Elektronik sei deshalb naheliegend gewesen, ergänzt sie lachend: «Natürlich wusste ich damals nicht, dass es sich um Schallwellen handelte.»

 

Lara Stanic Performance ‘Spielfeld Feedback’ 2003 © EDITION DUMPF – Florian Japp

 

Humor und spielerische Leichtigkeit prägen auch ihre Arbeiten mit Alltagsgegenständen. In Kafi, einer weiteren Sound-Intervention, diesmal zur Haydn-Sinfonie Der Morgen, wird zum Beispiel eine überdimensionale Bialletti-Espressomaschine zum Instrument: die zwei Konzertmeisterinnen brühen auf der Bühne Kaffee und ‘spielen’ mit den Klängen des Blubberns. «Wenn ich am Morgen aufstehe, koche ich mir den Kaffee und in einer Bialetti-Maschine. Das klingt sehr schön und ich verbinde den Kaffeeduft immer mit diesem Klang. Ich erinnere mich an die Klänge und Düfte seit meiner Kindheit. Und dann muss ja auch ein Orchester in den Probenpausen immer Kaffee trinken. Das ist also ganz praktisch gedacht…»

 
Kafi, eine weitere Sound-Intervention von Lara Stanic aus Du matin au soir, komponiert zur Hayn-Sinfonie Der Morgen, Zürcher Barockorchester, UA Zürich 2023, Kirche St. Peter, Video © Andreas Pfister, Renate Steinmann.

 

In Kafi geht es um Verwandlung: Klang und Duft des Kaffes werden in Musik verwandelt. Hinzu kommt die elektronische Erweiterung der klassischen Instrumente: die Geigenbögen der Konzertmeisterinnen sind mit Bewegungssensoren versehen. Mit ihnen berühren sie die Kaffeemaschine wie mit Zauberstäben, die sie anschliessend durch die Luft schwingen. Dadurch verstärkt sich der Klang des Brodelns, verteilt sich im Raum und mischt sich mit dem Beginn der Sinfonie. «Die Geigenbögen werden zu Zauberstäben, die den Duft des Kaffees wiederum in Musik verwandeln» so Stanic.

Der Prozess dahinter sei aber ganz einfach. Zuerst gebe es die Idee, dann einen Klang, hier das Brodeln des Kaffees, und dann suche sie nach einer Lösung, wie dieser mit dem Klang der Instrumente in Verbindung gebracht werden könne. Die performativen Aktionen der Konzertmeisterinnen bilden für das Publikum eine Brücke zwischen dem klingenden Alltagsgegenstand und den Instrumenten. Aus diesem einfachen Grundprinzip verzaubert Stanic Alltagsobjekte in Musik und hinterlässt auch bei mir bleibende Spuren beim morgendlichen Kaffee.
Gabrielle Weber

 


Lara Stanic, Du matin au soir, Videocollage der acht Sound-Interventionen für das Zürcher Barockorchester zu Haydn-Symphonien, UA Zürich 2023, Video © Andreas Pfister, Renate Steinmann, Philipp Bartels.

 

Lara Stanic ist Mitbegründerin und Mitglied des Trios „Funkloch“ mit Petra Ronner und Sebastian Hofmann, das jährlich sechs Komponist:innen zum experimentellen Studiokonzert mit Direktübertragung on air einlädt, oder des GingerEnsemble, einem in Bern basierten Composer-Performer-Kollektiv. Sie komponiert für Soli, Ensemble oder Orchester, sowie für eigene Performances, und ist damit regelmässig an den internationalen Festivals präsent, und sie ist seit 2011 Dozentin für Performing New Technologies an der Hochschule der Künste Bern.

FunkLoch feierte am Samstag, 20.1.24, 17h im Kunstraum Walcheturm sein sechsjähriges Jubiläum mit Stücken von Annette Schmucki, Daniel Weissberg, Svetlana Maraš, Dorothea Rust und Joke Lanz.

 

Sendungen SRF Kultur:
MusikMagazin, 10.2.2024: Cafégespräch mit Lara Stanic von Gabrielle Weber, Redaktion Benjamin Herzog.
Zämestah, 21.12.2020: TV-Portrait Lara Stanic
Musik unserer Zeit, 21.09.2013: Spiel mit urzeitlicher Elektronik: Das Ginger Ensemble, Redaktion Lislot Frey

neo-profiles:
Lara StanicFunkloch OnAir, Kunstraum Walcheturm, Sebastian Hofmann, petra ronner, Annette SchmuckiDaniel WeissbergSvetlana Maraš, Joke Lanz, Neue Musik Rümlingen.

 

Kunstraum Walcheturm – der unmögliche Musikraum mitten in Zürich

Sommerserie zum Schweizer Musikpreis No. 3 :  Spezialpreis an den Kunstraum Walcheturm – der Konzertort nehme «eine herausragende Stellung für die Weiterentwicklung der experimentellen Musik und Kunst in der Schweiz ein», so die Begründung der Jury.
Jaronas Scheurer sprach mit dem künstlerischen Leiter Patrick Huber.

 

Der Kunstraum Walcheturm im Zeughaushof Zürich ©Lorenzo Pusterla

 

Jaronas Scheurer
Patrick Huber treffe ich, als er gerade den Aufbau einer Party überwacht, die am selben Abend stattfindet. Die Party hat sich eingemietet und es gibt viel zu erklären und zu verhandeln. Zudem steht Huber kurz vor seinen Ferien: Zwischen Diskussionen mit den Tontechniker:innen, Einweisungen für das Barpersonal und letzten Ferienvorbereitungen findet er trotzdem Zeit für das Interview. Das Dazwischen-Sein, zwischen verschiedenen Projekten, zwischen Partys, experimenteller Musik, zeitgenössischer Kunst, Experimentalfilm. Dieses Dazwischen-Sein scheint Modus Operandi für Patrick Huber und den Kunstraum Walcheturm: «Diesen Ort sollte es eigentlich gar nicht geben.» meint er im Laufe des Interviews.

Dieser Ort – der Kunstraum Walcheturm auf dem alten Zeughaushof circa 10 Minuten Gehdistanz vom Zürcher Hauptbahnhof – ist der wichtigste Veranstaltungsort für zeitgenössische und experimentelle Musik in Zürich und hat dieses Jahr einen der Spezialpreise Musik des Bundesamts für Kultur (BAK) erhalten.

Galerie Walcheturm

Wie kam es dazu, dass der Walcheturm heute vor allem für spannende Konzerte und weniger für aufregende Kunst bekannt ist? Immerhin wurde der Walcheturm in den 1950er als Verein zur Förderung von junger Schweizer Kunst und Künstlern gegründet. Und in den 1980er-Jahren formten die heute international renommierten Kunsthändler:innen Eva Presenhuber und Iwan Wirth die Galerie Walcheturm, wie der Kunstraum, benannt nach dem ersten Standort an der Walchestrasse, damals hiess, zu einem der wichtigsten Akteure der Zürcher Kunstszene. «Irgendwann wurde klar», meint Patrick Huber, «dass ein Verein nicht das richtige Vehikel ist für ein derart kommerzielles Unterfangen wie eine international agierende Galerie.» Es kam Mitte der 1990er zu einer Abspaltung, aus der dann u.a. die Galerien Eva Presenhuber sowie Hauser&Wirth entsprangen. Der Verein Walcheturm durchlebte danach eine schwierige Phase, bevor 1999 die Leitung des Vereins Patrick Huber übergeben wurde. Huber bewarb sich mit der Vision, die Galerie zu einem Kunstraum zu machen: «Ein Bruch – keine Galerie, kein Kunstmarkt – ein Kunstraum.» wie Huber seine damalige Idee skizzierte.

 

Marc Zeier: ‘Daphnia Heart Beat’, Flügel, Bassboxe and Daphnia magna Modell, Kunstraum Walcheturm 2017 ©Lorenzo Pusterla

 


Luigi Archetti: LAVA – Part 01, Label Karluk 2021

 

Die Galerie wird zum Kunstraum

Patrick Huber selbst hatte damals schon vielfältige Erfahrung im Organisieren von Ausstellungen, Partys und Festivals. Seit den 1980er Jahren organisierte er Partys: Techno, Hiphop, Drum’n’Bass, kuratierte Ausstellungen in Offspaces und seit 1998 das Experimentalfilmfestival VideoEx.

«Als ich die Leitung des Vereins übernommen habe, gab es sozusagen keine Mitglieder und in der Galerie nicht einmal einen Hammer, um Nägel für die Kunstwerke einzuschlagen.» Das brachte jedoch auch Vorteile mit sich, denn so konnte er von Grund auf Neues schaffen. Dies gelang ihm einerseits dank einem grossen Netzwerk an Freund:innen und andererseits dank seiner Erfahrung als Partyorganisator. «Die ersten paar Jahre haben Partys, oft Techno-Partys, den Kunstraum finanziert.» Die Einnahmen der grossen Partys am Abend wurden in den Kunstraum und in die Ausstellungen am Tag gesteckt. «Ich wusste damals gar nicht, dass man Gesuche für finanzielle Unterstützung stellen kann.» meint Huber lachend. Doch schon bald musste der Kunstraum Walcheturm umziehen. Glücklicherweise bekamen sie eine Zusage für den jetzigen Ort im alten Zeughaushof. «Den Schlüssel haben wir im Januar 2002 bekommen. Den Schlüssel für einen staubigen Raum. Draussen waren es 5 Grad und drinnen auch. Kies am Boden, sonst nichts. Es war nicht viel Geld da, aber ganz viel Hilfe, eine ganze Gruppe von Menschen: Jemand konnte einen Bagger fahren und hat ein paar Kubik Kies rausgebaggert. Jemand konnte stromern, jemand Heizungen montieren usw.» beschreibt Huber den Umzug. «Und im Mai war der Boden drin und das Experimentalfilmfestival VideoEx fand das erste Mal hier statt. Im August gab es dann noch eine offizielle Eröffnung mit einem Projekt mit 12 Schlagzeugern. Eine Performance, die immer noch unter Kunst lief, aber da spielten halt zwölf Schlagzeuger.»

 

Katharina Rosenberger: Ausstellung “quartet”, Kunstraum Walcheturm 2018 ©Lorenzo Pusterla

 


Katharina Rosenberger: REIN, Basel Sinfonietta unter Baldur Brönnimann, UA 2019 in Basel

 

Von der zeitgenössischen Kunst zur experimentellen Musik

Der Wandel vom Ausstellungsraum für zeitgenössische Kunst hin zum Veranstaltungsort für experimentelle Musik schien sich also schon bei der Eröffnung abzuzeichnen. «Mich hat die zeitgenössische, experimentelle Musik interessiert. Ich fand das spannend. Aber es schien auch eine Notwendigkeit für einen solchen Raum in Zürich zu gebe. Denn Raum für zeitgenössische Kunst gab es in Zürich schon immer.» erläutert Patrick Huber diesen Wandel.

 

Julian Sartorius: Locked Grooves Record Release, Kunstraum Walcheturm 2021 ©Lorenzo Pusterla

 


Julian Sartorius: Locked Groove 093, Label OUS 2021

 

Heute finden vor allem Konzerte im Walcheturm statt. Neben einigen wichtigen Festivals wie das VideoEx, das Sonic Matter, das Taktlos Zürich oder das FemaleClassics, spielen im Walcheturm Musiker:innen und Ensembles irgendwo zwischen Noise, Freier Improvisation, Neuer Musik, Klangkunst und Free Jazz. Und die Konzertanfragen trudeln zahlreich bei Patrick Huber ein. Doch das Problem bei der Programmierung ist die Finanzierung. Der Kunstraum Walcheturm wird vom Kanton Zürich unterstützt, was knapp für die Miete des Raums reicht. Darüber hinaus, haben sie sozusagen kein Budget. «Das Erstaunliche am Walcheturm ist die musikalische Diversität trotz den engen finanziellen Leitplanken.» so Huber. Damit das funktioniert, ist eine ordentliche Portion Pragmatismus und gesunder Menschenverstand gefragt. Konkret funktioniert es so, dass die Gruppen, die im Walcheturm spielen, den Walcheturm je nach Höhe der eigenen Finanzierung bezahlen. «Wenn die andere Seite eine Yacht hat, dann soll bitte auf unserer Seite auch ein bisschen Geld ankommen. Aber wenn die in einem kleinen Ruderboot sitzen, dann können wir auch rumrudern. Das haben wir ja schon immer gemacht.» meint Huber lachend. «Auf dem Papier geht unsere Rechnung eigentlich nicht auf. Aber irgendwie geht es dann doch.»

Und so machen sie weiter – dieser unmögliche Raum mitten in Zürich: Zwei bis vier Konzerte pro Woche, mit der Hilfe von Freund:innen, mit einer gesunden Portion Pragmatismus und vor allem mit viel Liebe und Engagement für die Musik.
Jaronas Scheurer

 

Die Saison 2023/2024 des Kunstraum Walcheturm begann am 2. September mit einem Jubiläumskonzert des Collegium Novum Zürich.
Weitere Anlässe im September:
7. September – CD Release «The Five»,
9. September – Guy Mintus Songbook,
14. September – IGNM Konzert: Tomoko Sauvage und Christoph Rüttimann mit «Kakteenmusik / Wasserschalen»,
16. September – Zapparoli, Hofmann und Lorenz,
21. September – Insub Meta Orchestra,
22. September – Under the Olive Tree,
29. September – News3Art plays Stockhausens «Kontakte».

 

Sendungen SRF Kultur:
SRF Kultur online, 11.5.23: Trompeter Erik Truffaz erhält den Grand Prix Musik, Redaktion Jodok Hess.
Musikmagazin, 22.7.23Carlo Balmelli: Ein Leben für die Blasmusik, Redaktion Annelis Berger, Musiktalk mit Carlo Balmelli (ab Min 9:40).
Musikmagazin, 17.6.23, Inspirationen mit offenem Ende: Die Vokalkünstlerin Saadet Türköz, Redaktion Florian Hauser, Musiktalk mit Saadet Türköz (ab Min 8:38).
Musikmagazin, 13.5.23, Schweizer Musikpreise 2023, Redaktion Florian Hauser, Musiktalk mit Katharina Rosenberger (ab Min 4:55)

 

Neo-profiles:
Kunstraum Walcheturm, Luigi Archetti, Katharina Rosenberger, Julian Sartorius, Collegium Novum Zürich, Martin Lorenz, Sebastian Hofmann, Insub Meta Orchestra, Sonic Matter.

..wie ein „elektrifiziertes Streichquartett“: Ensemble Nikel

Sommerserie zum Schweizer Musikpreis No. 3 : Ensemble Nikel.
Vibrierende und virtuose Interpretation zeitgenössischer Musik bilden die einzigartige DNA des Ensemble Nikel um den Elektrogitarristen Yaron Deutsch (*1978). Nikel tritt dabei fast als Popband auf und unterwandert das Image eines oft radikal lauten Elektrosounds. Nikel sei „radikal zeitgenössisch“ heisst es in der Begründung zum Schweizer Musikpreis 2023 ans Basler Ensemble: Yaron Deutsch, Elektrogitarrist und Ensemblegründer, im Gespräch:

 

Portrait Ensemble Nikel © Amit Elkayam

 

Gabrielle Weber
Was bedeutet der Preis für Nikel?

Es ist schlicht berührend, wenn die eigene Arbeit so unverhofft anerkannt und ausgezeichnet wird. Wir waren komplett unvorbereitet als wir informiert wurden: das macht es sehr besonders. Und ganz pragmatisch eröffnet uns der Preis neue Türen und verschafft uns zusätzliche Mittel, um grössere Pläne für unser künstlerisches Wachstum zu realisieren.

Ein ‚alternativer Kammermusikklang‘ aus einer Mischung von elektronischen und instrumentalen Klängen ist charakteristisch für das Ensemble. Sprechen wir über den Anfang von Nikel: Wie fanden Sie mit der E-Gitarre zur zeitgenössischen klassischen Musik – die  Kombination ist nicht naheliegend?

Mit der E-Gitarre war ich zunächst assimiliert in der Musik des Rock und Jazz, fühlte mich aber dort wie eine ‘Copy Cat’ einer amerikanischen Kultur, die nicht meine ist. Da stiess ich 2005 über ein Stück von Luis Andriessen: ‘Hout‘ (1991) für die Besetzung Saxophon, E-Gitarre, Percussion und Klavier. Es fühlte sich wie ein ‘Heureka’-Moment an. Das Stück mischt Musikgenres und -elemente unkompliziert. Ich fand darin eine Verbindung zu meinen europäischen Wurzeln und fühlte mich wie zuhause angekommen in der europäischen klassischen Musikavantgarde. Es gab mir eine Art Richtung vor, in welche Klangwelt ich gehen wollte.

Mit ‘Hout‘ gaben wir unser erstes Konzert in Tel Aviv 2006. Die Instrumente des Stücks wurden zur festen Besetzung von Nikel. Nach wenigen Wechseln bilden wir nun seit ungefähr zehn Jahren die feste Stammformation: Brian Archinal an der Perkussion, Antoine Françoise, Klavier, Patrick Stadler, Saxofon, und ich mit der E-Gitarre. Wir inspirieren uns gegenseitig.

 

 

Ensemble Nikel in Luzern and Bern 2016 © Markus Sepperer

 

..und was bedeutet der Name?

Drei Punkte: Zuerst wollte ich keinen Namen der Musik assoziiert. Im Namen sollte zudem ‘Metall’ als eine unserer Klangfarben anklingen. Und zuletzt erinnert Nikel an die israelische Künstlerin Lea Nikel und ihre abstrakten farbintensiven Arbeiten. Sie war In den sechziger und siebziger Jahren in Paris und New York tätig und verstarb 2005 in Tel Aviv.

 

Es ist wie wenn Wassertropfen langsam zu einem Organismus zusammenfinden.

 

Wie kam es zum Standort Schweiz..?

Dass drei von vier Mitgliedern in der Schweiz sind, ergab sich von selbst. Ich war immer ein ‘Missionar’ für Musikschaffen ohne Nationalität, für ein Modell von Ensembles ohne eine nationale oder lokale Festlegung: es geht mir darum, mit den Musikern zusammenarbeiten, die ich am spannendsten finde, die mich inspirieren, egal wo sie leben. So kam es bspw. zu Patrick Stadler in Basel. Unsere Vision ist aber eine internationale.
Es ist wie wenn Wassertropfen langsam zu einem Organismus zusammenfinden.

Ausgehend von einer Einladung für ein Konzert finden wir zusammen. Unsere Aufgabe als Künstler ist es, so faszinierend, interessant und auch gut zu sein, um einen Bedarf zu schaffen. Es geht dabei um Passion: solange wir passioniert sind, existieren wir als Gruppe.

 

Ihr erster Auftritt in Donaueschingen 2012 war legendär – diese vibrierende Energie und rasende Virtuosität bspw. in der UA von Michael Wertmüllers Stück „Skip a beat“ ist mir in bleibender Erinnerung: Wie kam’s zur Einladung?

2010 traten wir an den Darmstädter Ferienkursen auf. Der damalige neue künstlerische Leiter Thomas Schäfer wollte in seiner ersten Ausgabe neue Stimmen präsentieren und lud uns ein. Der Auftritt hatte ein grosses Echo. Kurz danach rief uns Armin Köhler, der damalige Intendant von Donaueschingen an, und lud uns zwei Jahre später ans Festival ein.

 

 

Michael Wertmüller, Skip a beat, Ensemble Nikel, UA Donaueschinger Musiktage 2012

 

Was bewirkte dieser Auftritt für Nikel?

Der Auftritt vor grossem Publikum mit internationaler Resonanz war das eine: ein Karriere-‘boost’: die Vertrautheit mit der internationalen Szene, das war sehr wichtig für unser Wachstum. Donaueschingen ermöglichte uns aber auch, vier Uraufführungen von vier substanziellen Komponist:innen zu spielen, die ihre Stücke extra für unsere Besetzung schrieben. Wir hatten nicht die finanziellen Möglichkeiten, solche Stücke selbst in Auftrag zu geben. Diese völlig unterschiedlichen Stücke spielten wir seither in der ganzen Welt.

Und dieser Mechanismus geht weiter: wenn wir eingeladen werden, geben die Festivals Stücke für uns in Auftrag. Diese behalten wir danach im Repertoire. Bei der Auswahl schlagen wir Komponist:innen vor, von denen wir begeistert sind. Und diese Begeisterung ist danach in unseren Auftritten spürbar.

 

Unser Gedächtnis neigt dazu, sich an Extreme zu erinnern

 

Die Konzerte von Nikel sind bekannt für einen oft radikal lauten Elektroniksound..

Zuerst muss ich das Prädikat ‘lautes’ Ensemble zurückweisen: Wir spielen auch viele subtile Stücke, stille, taktile Musik. Wahrscheinlich führt unsere virtuose Qualität zum Eindruck: “die Musiker können spielen, dass die Wände wackeln..”. (lacht..). Ein maskuliner Power, das ist nicht unser Ding. Unser Gedächtnis neigt dazu, sich an Extreme zu erinnern. Aber es geschieht so viel ausserhalb der Extreme, eigentlich das Meiste..

Wir sind wie ein ‘elektrifiziertes Streichquartett’, ein Organismus der sehr gut zusammen funktioniert und dessen Klang sich sehr gut mischt. Wir können ganz fein abstufen zwischen laut und leise.

2017 gab Nikel zum 10 Jahr- Jubiläum der Ensemblegründung eine umfassende CD heraus – inwiefern sind die Stücke charakteristisch für den spezifischen „Nikel-Sound“?

Das erste Jahrzehnt war sehr prägend. Aus der Vogelperspektive fasst die Sammlung und Kuration der in der Box enthaltenen Stücke unsere Charakteristika zusammen: Wir spielen immer Stücke die eklektisch sind, die Elemente mischen, aber nie zufällig oder unnötig. Eine klare musikalische, nicht eindimensionale Linie verbindet alles. Wenn man näher heranzoomt, stellt man fest, dass jedes einzelne Werk zwar die wesentlichen Merkmale der Gruppe spiegelt, dass aber unser künstlerischer Charakter nicht im Einzelnen fassbar ist.

 


Stefan Prins, Fremdkörper 2, Ensemble Nikel 2010 (Decennial-Box).

 

Sie kommen gerade zurück von einem Auftritt an den Darmstädter Ferienkursen mit neuen Stücken von Jennifer Walshe und Matthew Shlomowitz: wie war die Stimmung am Ort eines der ersten wichtigen Auftritte von Nikel?

Darmstadt war fantastisch: es war unser vierter Besuch dort. Wir kamen mit einem Stück, mit dem wir uns sowohl künstlerisch als auch persönlich sehr wohl fühlen: eine außergewöhnliche, über zwei Jahre dauernde Zusammenarbeit mit Matthew & Jennifer, die uns auch auf der Bühne begleiteten. Mit zwei ausverkauften Shows und einer sehr positiven Kritik in der New York Times war es eine perfekte Premiere für das Projekt.

 


Minor characters, Matthew Shlomowitz / Jennifer Walshe, Ensemble Nikel, UA Ferienkurse Neue Musik Darmstadt 2022.

 

Was kommt als nächstes?

Es steht ein neues Album (Radio Works) an mit Stücken, die von verschiedenen europäischen Radiosendern während der Pandemie in Auftrag gegeben und aufgenommen wurden, u.a. das Stück von Shlomowitz/Walshe. Dann folgt die Uraufführung eines vierteiligen Zyklus der Komponistin Sarah Nemtsov für Nikel und Orchester in Köln und Essen mit dem WDR Sinfonieorchester. Und unsere neue Saison in der Schweiz beginnt im Januar 2024 mit einer Uraufführung von John Menoud.
Gabrielle Weber

 

Sarah Nemtsov, Tikkun pour orchestre, Teil 1 der Tetralogie, Ensemble Nikel, Camerata Ataremac, Ensemble Vertigo, Leitung: Peter Rundel, Festival Les amplitudes 2022, Eigenproduktion SRG/SSR.

 

Kritik Darmstadt 2023: Seth Colter Walls, New York Times, 13.8.2023

A Decade, Decennial-Box  2017, 4 CDs mit Doku-DVD und Buch zum Ensemble.

Yaron Deutsch, Live in New York City, 2022

Yaron Deutsch, Jennifer Walshe, Matthieu Shlomowitz, Sarah Nemtsov, Peter Rundel, WDR Sinfonieorchester, Brian Archinal, Patrick Stadler, Thomas Schäfer, Armin Köhler

Schweizer Musikpreise 2023:
Grand Prix Musik: Erik Truffaz
Musikpreise:
Katharina Rosenberger, Ensemble Nikel, Carlo Balmelli, Mario Batkovic, Lucia Cadotsch, Sonja Moonear, Saadet Türköz
Spezialpreise:
Helvetiarockt, Kunstraum Walcheturm, Pronto 

Sendungen SRF Kultur:
SRF Kultur online, 11.5.23: Trompeter Erik Truffaz erhält den Grand Prix Musik, Redaktion Jodok Hess.

Musikmagazin, 22.7.23Carlo Balmelli: Ein Leben für die Blasmusik, Redaktion Annelis Berger, Musiktalk mit Carlo Balmelli (ab Min 9:40).

Musikmagazin, 17.6.23, Inspirationen mit offenem Ende: Die Vokalkünstlerin Saadet Türköz, Redaktion Florian Hauser, Musiktalk mit Saadet Türköz (ab Min 8:38).

Musikmagazin, 13.5.23, Schweizer Musikpreise 2023, Redaktion Florian Hauser, Musiktalk mit Katharina Rosenberger (ab Min 4:55)

 

neo-Profiles:
Ensemble Nikel, Michael Wertmüller, Donaueschinger Musiktage, John Menoud, Antoine Françoise, Les amplitudes, Swiss Music Prizes

Musik ist Kommunikation: Komponistin Katharina Rosenberger

Zum zehnten Mal werden 2023 die Schweizer Musikpreise verliehen: nebst dem Grand Prix an den Genfer Jazz-Trompeter Erik Truffaz werden am Musikfestival Bern am 8. September weitere 10 Preise und Spezialpreise vergeben. In einer Sommerserie portraitiert der neoblog einige der Preisträger:innen. Katharina Rosenberger, Komponistin, Kompositions-Professorin in Lübeck und Co-Intendantin des Zürcher Festival für zeitgenössische Musik Sonic Matter bildet den Auftakt. Katharina Rosenberger arbeitet mit intermedialen Verflechtungen zwischen Musik, Text und Bild und bindet das Publikum meist in Performanceprozesse ein. Dabei geht es ihr um Kommunikation, um Dialog und ums Partizipieren an der zeitgenössischen Musik.

Katharina Rosenberger im Interview mit Florian Hauser.

 

Portrait Katharina Rosenberger © Hans Gut

 

Florian Hauser
Einen der begehrten Schweizer Musikpreise zu bekommen, ist schon etwas Besonderes und zeugt von hoher Wertschätzung Ihrer Arbeit. Wie sieht es demgegenüber mit der Wertschätzung Ihrer künstlerischen Arbeit im Alltag aus? Sie müssen ja tun, was Sie tun müssen und wollen. Und das ist ja nicht unbedingt massenkompatibel. Sie machen keine Blockbusterfilme… Wie reagiert Ihr Publikum auf ihre Kunst?

Ich bin immer sehr berührt, wenn Menschen auf mich zukommen und auf meine Musik reagieren. Es sind Personen, die ich nicht kenne oder auch Personen, die keine Insider sind, also nicht selber Musiker*innen. Oft reagieren sie sehr positiv – und oft geht es ihnen dabei darum, etwas Neues entdeckt zu haben. Wenn sie sich auf dieses Neue, Ungekannte eingelassen haben und dann positiv überrascht sind, macht mich das sehr glücklich. Eigentlich sind das ja dann die idealen Fans, die mit Offenheit kommen und einfach mal reinhören wollen… Es gibt natürlich auch Momente in denen das Publikum sehr zweischneidig reagiert. Von: ‘um Gottes Willen, was war denn das für ein Stück!’ bis zu: ‘Wow, das ist das Tollste, was ich seit langem gehört habe’.

 

Die Kommunikation mit dem Publikum ist Ihnen ja per se sehr wichtig. Sie interagieren mit den Leuten, Sie binden sie auch in Performanceprozesse ein. Warum?

Lassen Sie mich mit einem Beispiel antworten: Ein Duett (innerhalb einer Videooper, die am Theaterspektakel Zürich uraufgeführt wurde) habe ich La Chasse genannt. Zwei Sängerinnen stehen sich in einer gewissen Distanz gegenüber. Das Publikum sieht sie nur im Profil. Und dann beginnen die Stimmen sich zu jagen. Anfangs nur mit Klängen wie wah, wah, wah wah! Sehr abstrakt, sehr reduziert. Es gibt keine Melodie. Und es ist nicht so einfach, sich das anzuhören. Aber als Leute aus dem Publikum auf mich zukamen und von der Erfahrung erzählt haben, wie gewaltig diese Klänge im Raum waren, wie sehr sich die Körper in die Struktur der Musik eingliederten, ging mir ein Licht auf: Die Verbindungen zwischen Klang und Raum, den Performerinnen und dem Publikum sind unheimlich wichtig. Es geht primär nicht nur um die Musik selbst, also dass die Musik auch nur sich selbst genügt, sondern es geht wirklich um Dialog und Austausch mit dem Publikum, mit der Umgebung.


La Chasse von Katharina Rosenberger in einer Instrumentalinterpretation durch das Landmann-/Stadler-Saxofonduo, aufgenommen in NYC 2018.

 

Erzählen Sie noch von einem anderen Beispiel!

Das Projekt Urban morphology. Das ist eine begehbare Konzertinstallation, die musiktheatralische Elemente hat und auch partizipativ ist. Das Publikum ist eingeladen, aktiv mitzumachen. Es geht um den Städtewandel: Was passiert, wenn zum Beispiel durch luxuriöse Neubauten Nachbarschaften, in denen wir aufgewachsen sind, verschwinden? Wenn das, dem ich mich zugehörig fühle, plötzlich nicht mehr existiert? Also Orte, in denen ganz viele Erinnerungen Platz haben: Wenn das wie weggewischt ist, was passiert dann mit uns? Was passiert, wenn diese Strukturen weg sind, die architektonischen, die sozialen, die klanglichen Komponenten, an denen wir uns orientieren?

Das Publikum konnte sich entscheiden, wie es sich bewegt. Ob es zuerst zu einer Performance-Insel geht oder sich ein Video ansieht, ob es eine ganz normale Konzertsituationen mit einem sehr fokussierten Zuhören will oder in einer Installation Velo fährt, um Elektrizität zu erzeugen und Licht zu spenden.

Das Publikum konnte also mitentscheiden, wie es die verschiedenen Informationen zusammenbaut. Bei solchen Projekten merke ich immer wieder, wie wichtig die intermedialen Verbindungen zwischen Text und Musik sind, zwischen Bild und Musik, den Räumen, den Körpern. Wie sich Räume öffnen fürs Publikum, wo es an Situationen anknüpfen kann, die mit ihren eigenem Alltag zu tun haben. Daraus ergeben sich immer wieder neue Fragen: wie höre ich Musik, wie wird Musik aufgeführt? Und es ergeben sich neue Erkenntnisse. Das ist faszinierend.

 

Sie sind sehr kommunikativ…

Ja klar. Ich mag es auch sehr, mit Musikerinnen, mit denen ich zusammenarbeite, über längere Zeiten in Kontakt zu sein.

 

Es gibt Komponisten, Komponistinnen, Kollegen, Kolleginnen von Ihnen, für die ist es vollkommen ausreichend, am Kompositionsschreibtisch zu sitzen und Strukturen zu entwerfen. Das war für Sie nie eine Option?

Doch schon. Das eine schliesst das andere nicht aus, oder? Es gibt natürlich Phasen, da bin ich enorm zurückgezogen. Aber wenn ich mich jetzt mit Städten auseinandersetze, dann will ich durch diese Strassen laufen, die Menschen kennenlernen. Um den Kern, den Inhalt eines Projekts zu erforschen. Zum Beispiel auch bei der Installation quartet – bodies in performance, wo ich nur die Rückenmuskulatur von vier Musiker*innen gefilmt habe. Man kann sich ja vorstellen, dass je nach Musikinstrument die vielen, vielen Jahre, die man übt, die Rückenmuskulatur jeweils ganz anders formen. Jede Performance hatte ihr eigenes Bild im Endlosschwarz, es kam nur der Rücken vor, der gespielt hat. Und das war wieder eine ganz neue Art für das Publikum, Performance zu erleben. Also Klang durch die Muskulatur zu sehen.

 


Auch in Katharina Rosenbergers Klang- und Videoinstallation The journey wurden die Sänger:innen aus ungewohnt-nahen Perspektiven gefilmt, Neue Vokalsolisten Stuttgart, Regie Lutger Engels 2020

 

Es sind jeweils lange Wege zum Ergebnis, gemeinsame Wege. Aber wie kommen Sie auf solche Ideen? Sie laufen mit weit ausgefahrenen ästhetischen Antennen durch die Welt und zack, springt sie ein Thema, eine Thematik an?

Mein roter Faden ist: Im Mittelpunkt steht der Mensch, sei es jetzt der Performer mit seinem, ihrem Körper, sei es das Publikum mit seinen Ohren, Augen, Körpern. Und um was geht es? Was berührt uns eigentlich? Das ist die Frage. Was für eine Bedeutung hat die Musik auch in Zeiten der Krisen, der Zeiten, der Umorientierung? Ich will jetzt nicht behaupten, dass ich als Künstlerin das wegweisend in meinen Stücken präsentiere. Aber es geht um das Hinterfragen, das Hinter-Sinnen durch neue klangliche, bildliche Situationen. Darum, sich mit dem Moment auseinanderzusetzen. Also das ist nicht ein Muss. Ein Publikum muss nie müssen. Aber ich möchte die Türen öffnen, dass es möglich ist.
Florian Hauser

 

Portrait Katharina Rosenberger © Kaspar Ruoff


Schweizer Musikpreise 2023:
Grand Prix Musik: Erik Truffaz
Musikpreise:
Katharina Rosenberger, Ensemble Nikel, Carlo Balmelli, Mario Batkovic, Lucia Cadotsch, Sonja Moonear, Saadet Türköz
Spezialpreise:
Helvetiarockt, Kunstraum Walcheturm, Pronto 

Sendungen SRF Kultur:
Musikmagazin, 13.5.23, Schweizer Musikpreise 2023, Redaktion Florian Hauser, Café mit Katharina Rosenberger (ab Min 4:55)

SRF Kultur online, 11.5.23: Trompeter Erik Truffaz erhält den Grand Prix Musik, Redaktion Jodok Hess:

Musik unserer Zeit, 11.1.2023: Komponieren! Mit Katharina Rosenberger, Redaktion Florian Hauser

Musik unserer Zeit, 8.12.2021: «Sonic Matter» – ein aussergewöhnliches Musikfestival in Zürich, Redaktion Moritz Weber

Musik unserer Zeit, 8.8.2018: Shift – eine Begegnung mit der Komponistin Katharina Rosenberger, Redaktion Cécile Olshausen

neoprofiles:
Katharina Rosenberger, Swiss Music PrizesFestival Sonic Matter, Ensemble Nikel, Kunstraum Walcheturm