Percussion Threads from Zurich to Mzansi

Am Konzert Percussion Threads from Zurich to Mzansi treffen im Museum Rietberg Zürich, Musiker*innen und Kompositionen aus der Schweiz und Südafrika aufeinander. Danach geht’s auf Tournee durch diese beiden Länder.

Neo Muyanga, Percussion Threads from Zurich to Mzansi, rehearsal @ Museum Rietberg © Pascal Schlecht

Katja Heldt
Wie klingt klassische Musik im 21. Jahrhundert? Wie funktioniert musikalischer Austausch im Zeitalter der Dekolonisierung? Und in welchem Kontext soll dieser stattfinden?

Die Schweizer Initiative guerillaclassics macht sich mit vielfältigen Projekten auf die Suche nach Antworten und nach der aktuellen Relevanz und heutigen Formaten von klassischer Musik. Im Frühjahr 2020 geht es mit dem Ensemble Cosmic Percussion aus Zürich zusammen mit Musiker*innen vor Ort auf Tour durch Südafrika.


Cosmic Percussion Ensemble, Trailer

Den Auftakt bildet am 6. März ein Konzert im Museum Rietberg Zürich. Im Rahmen der aktuellen Ausstellung FIKTION KONGO kommen neue Stücken des Schweizer Komponisten Nik Bärtsch und des südafrikanischen Komponisten Neo Muyanga zur Aufführung.
„In der Ausstellung zum Kongo findet ein spannender Perspektivwechsel statt, bei dem junge kongolesische Künstler*innen eine Stimme bekommen. Genauso ist auch unsere Tour aufgebaut, wir arbeiten mit Musiker*innen aus der Schweiz, Angola, Kongo und Südafrika und wollen uns mit jeweils unterschiedlichen Spielweisen auseinandersetzen“, erklärt Hiromi Gut, künstlerische Leiterin und Gründerin von guerillaclassics, die das Projekt initiierte.

Radikales Neudenken von klassischer und zeitgenössischer Musik

Seit der Gründung 2017 setzt sich guerillaclassics für radikales Neudenken von klassischer und zeitgenössischer Musik, alteingesessenen Strukturen des Konzertbetriebs und dem Begriff der Hochkultur ein. Ihre vielfältigen Programme verfolgen ein klares Ziel: raus aus dem Konzerthaus und hinein in den Alltag. Je ausgefallener das Setting, desto besser, ob auf Straßen, Baustellen oder beim Schwingfest in den Bergen mit lokalem Jodelverein: guerillaclassics operiert an der Schnittstelle von Musik zu Schauspiel, Tanz und Theater und verändert mit aussergewöhnlichen Konzertformaten den Kontext von Musikerfahrungen.

„Mit guerillaclassics wollte ich die Vision umsetzen, klassische Musik zum alltäglichen Teil der Gesellschaft zu machen. Dafür muss die Musik auch ausserhalb des abgeschirmten Konzerthauses gespielt werden und in die verschiedenen Communities hineingebracht werden,“ so Hiromi Gut.

Für Gut ist in diesem Projekt der Umgang mit der Geschichte der Apartheid und den noch immer bestehenden starken sozialen Unterschieden in Südafrika wichtig: „Wir spielen unser Konzert auch zum Sonnenaufgang für die Pendler*innen in der Park Station in Johannesburg, dem grössten Bahnhof Afrikas. Dort hat es eine besondere Relevanz, wenn wir im öffentlichen Raum spielen. Klassische europäische Musik sowie der Zugang zu ihr wird in Südafrika nach wie vor mit einer weissen Minderheit in Verbindung gebracht.“

Verbindung zwischen Kulturen

Für die Südafrika-Tournee und das Konzert im Museum Rietberg haben die beiden Komponisten Nik Bärtsch und Neo Muyanga Stücke komponiert, die sich mit kulturellem Austausch aber auch mit den eigenen musikalischen Ursprüngen auseinandersetzen und sie in einen größeren Kontext bringen. Der Zürcher Komponist Nik Bärtsch bewegt sich mit seinen Werken in verschiedenen musikalischen Genres und Traditionen und sucht nach Verbindungen zwischen Kulturen.


Nik Bärtsch, Ronin: Modul 45

Für die Reise komponierte Bärtsch das Stück COSMIC APPROPRIATION für die vier Perkussionisten des Cosmic Percussion Ensemble. Seinen Ansatz beschreibt er folgendermassen: „Beim Komponieren nutze ich gerne Instrumente und rituelle Techniken aus verschiedenen Weltregionen. Dabei interessiert mich weniger die Herkunft der Instrumente, sondern vielmehr wie Klang und Spieltechniken genutzt werden können. Ich glaube nicht, dass Musik eine universelle Sprache ist, aber ich denke, dass es gewisse universelle Codes, Affinitäten sowie Resonanz- und Bewegungsräume gibt, die bei der Produktion und Rezeption von Musik zum Einsatz kommen.“

Portrait Nik Bärtsch © Hiromi Gut

Auch Neo Muyanga verwendet in seiner Komposition verschiedene perkussive Traditionen und traditionelle Instrumente wie das Ngoni oder uHadi sowie die Stimme. Das Stück verbindet notierte Elemente und Improvisation und ist so konzipiert, dass Spielweisen aus den verschiedenen Regionen wie z.B. der Xhosa-Tradition einbezogen werden können.
Das Publikum wird aufgefordert, sich auf die Suche nach den Ursprüngen und Wurzeln von Musik zu machen und in ungewöhnlichen Kontexten sowohl etwas Neues zu entdecken als auch das Alte neu zu hören.
Katja Heldt

Trailer guerillaclassics: Percussion Threads from Zurich to Mzansi

Konzerte 
6.03.2020, 19h: Rietberg Museum Zürich (ausverkauft)
8.04.2020, 19:30h: Club Exil, Zürich, Zusatz-Konzert mit den kongolesischen Musiker*innen nach der Tour

Nik Bärtsch, guerillaclassics, Cosmic Percussion Ensemble, Museum Reitberg, Neo Muyanga

Neo-Profiles: Nik Bärtsch, guerilla classics, Cosmic Percussion Ensemble

4 Antworten auf „Percussion Threads from Zurich to Mzansi“

    1. Genau, Danke für den input: insbesondere toll, dass das erste Konzert im Museum Rietberg stattfindet und so das Visuelle zur Musik hinzukommt, denn die Schnittstellen betreffen ja alle Sparten, auch wenn leider bereits ausgebucht – im Exil hat’s zum Glück noch Platz..

    1. Lieber Christian
      Danke für das positive Feedback – ja, es gilt m.E. alle Arten von Bezügen herzustellen, auf dass die zeitgenössische Musik zwischen Kulturen, Sparten und musikalischen Genres vermittle.. das Potenzial liegt in der Musik selbst, und so gehört/erlebt, ist sie sicherlich für Viele interessant..

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